Ein besonderer Dank geht an die Computerworld, die uns erlaubt den folgenden Artikel zu veröffentlichen.
aus der Computerworld 31.01.03 Nr. 05/03
FreeBSD 5.0 Linux ist bei weitem nicht das einzige offene Unix-Derivat. Auch FreeBSD entwickelt sich ständig weiter. Offiziell verfügbar ist jetzt die Version 5.
von Wolfgang Böhler
Rico Pajarola ist ein Kabelfreak. Der ETH-Student und Techniker des Thalwiler Webhosters Cybertime hat aber auch ein Flair für Betriebssysteme, die nicht unbedingt im Scheinwerferlicht stehen. Ihm ist es zu verdanken, dass seine Arbeitgeberin im Hosting bevorzugt auf FreeBSD statt auf Linux setzt. Dies hat gute Gründe.
FreeBSD (Free Berkley Software Distribution) ist eine der traditionsreichsten offenen Unix-Distributionen und hat vornehmlich im akademischen Umfeld Verbreitung gefunden. Das erklärt auch einen wesentlichen Unterschied zu Linux: Die populäre Unix-Version von Linus Torvalds drängt in den Massenmarkt und hat deshalb die Tendenz zur Üppigkeit. Die Installation soll möglichst einfach sein, und zahlreiche Funktionen sind von vornherein integriert, um weniger Beschlagenen den Einstieg in die Unix-Welt zu erleichtern. Im Gegensatz dazu wird FreeBSD in schlanker, übersichtlicher Form ausgeliefert. Gerade diese Eigenheit schätzt Pajarola.
Die Basisinstallation von FreeBSD hat einen Umfang von rund 100 MByte. Sie ist so schlank, dass es dem Administrator im Prinzip möglich ist, in jede Datei ein Blick zu werfen und die Software damit richtig ins Gefühl zu bekommen. Zudem lassen sich die eigentlichen Applikationen damit auf dem Server besser vom Betriebssystem trennen.
Der Entscheid für FreeBSD fiel bei Cybertime nicht aus dem Bauch heraus, auch wenn -- wie Pajarola im Gespräch mit Computerworld zugibt -- weiche Faktoren wie das Bedürfnis, den Betriebssystem-Einheitsbrei nicht aktiv zu fördern, eine Rolle spielten. Die Würfel fielen, als Pajarola vor rund sechs Jahren mehreren Unix-Varianten, darunter Slackware Linux, NetBSD, OpenBSD und SCO Openserver auf dem Zahn fühlte.
Bei Cybertime sind zur Zeit noch die Versionen 3.3 und 4.7 im Einsatz. Auf die Version 5 umsteigen will Pajarola erst, wenn der bereinigte Release 5.1 verfügbar ist, wie dies die Verantwortlichen des FreeBSD-Projektes selber empfehlen. Mit der Version 5.0 wird Pajarola zuerst einmal im stillen Kämmerlein ausprobieren.
Dabei gibt es einiges an Neuerungen, die für den Systemadministratoren interessant sind. Zuallererst sind Multiprocessing und Multithreading stark verbessert worden. In dieser Hinsicht hatte FreeBSD bis jetzt gegenüber Linux einen deutlichen Nachteil. Interessant sind aber auch das Dateisystem UFS 2 mit den 64-Bit-Filepointern und die Integration von TrustedBSD. Auch Filesystem Snapshots (wichtig für konsistente Backups) und ein Background Filesystem Checking (schnelles Booten nach einem Stromausfall) lassen sich nun machen.
TrustedBSD erlaubt es, auf Basis von Access Control Lists und dem sogenannten Mandatory Access Control (MAC) Hochsicherheitssysteme aufzubauen. UFS 2 beseitigt die Ein-Terabyte-Barriere für Dateisysteme. Pajarola räumt deshalb ein, dass es für einen Hoster von der Grösse Cybertimes eher von theoretischem Interesse ist. Auch MAC interessiert vorerst eher informell. Von den FreeBSD-Verantwortlichen wird die Implementierung bisher auch bloss als experimentell gekennzeichnet.
Von den zahllosen kleineren Neuerungen und Verbesserungen von FreeBSD 5 erwähnenswert sind die Unterstützung der Schnittstellen Bluetooth und IEEE 1394, die ACPI-Fähigkeiten und eine ebenfalls experimentelle Verwendung von Hardwarebeschleunigern zur Verschlüsselung.